Die Gnade als Eltern repräsentieren

Von der Verlorenheit im Schlamm zur Herrlichkeit in Christus

Der Schlamm am Ende des Regenbogens: Ein alltägliches Drama

Es gibt Momente im Leben eines Erziehers oder eines Elternteils, in denen die Theorie des Glaubens auf die harte Realität des Alltags trifft. Stellen wir uns eine Situation vor, die jeder kennt, der schon einmal eine Kinderstunde geleitet oder ein Kleinkind an einem regnerischen Nachmittag betreut hat. Der Basteltisch ist gedeckt, die Erwartungen sind hoch, und das Thema lautet eigentlich „Gottes gute Schöpfung“. Doch dann passiert es: Ein Glas mit dunkler Wasserfarbe kippt um, vermischt sich mit dem Kleber und den Glitzerresten auf dem hellen Teppich, und innerhalb von Sekunden verwandelt sich das geplante Meisterwerk in ein schlammiges Desaster. Inmitten dieses Chaos steht ein Kind, die Hände tief im klebrigen Dunkel, und schmiert den Matsch – halb aus Neugier, halb aus Trotz – noch tiefer in das Gewebe des Teppichs.

Die erste Reaktion ist oft ein tiefer Seufzer, gefolgt von dem instinktiven Impuls, sofort das Gesetz zu verkünden: „Warum hast du nicht aufgepasst? Weißt du nicht, wie viel Arbeit das macht? Geh sofort Hände waschen!“ Wir sehen den Schaden, wir spüren den Stress, und wir bewerten die Situation nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung. Das Kind hat einen Fehler gemacht (oder eine bewusste Entscheidung getroffen), und nun muss es die Konsequenzen tragen. In diesem Moment offenbart sich jedoch ein tiefes theologisches Problem, das uns direkt zum Kern der biblischen Sicht auf den Menschen führt. Wir neigen dazu, Erziehung als ein Projekt der Oberflächenreinigung zu betrachten. Wir wollen, dass die Kinder „sauber“ sind, dass sie sich „gut benehmen“ und dass sie die Regeln befolgen. Doch die Bibel, insbesondere im Brief an die Epheser und im Römerbrief, zeichnet ein weit dramatischeres Bild unseres Zustands.

Das Kind im Schlamm ist kein bloßer „Unfall“. Es ist ein Symbol für uns alle. Wir stecken nicht nur ein bisschen im Dreck; wir sind, wie der Apostel Paulus es ausdrückt, in diesem Schlamm gefangen, ja, wir sind geistlich gesehen sogar darin gestorben. Wenn wir über Epheser 2,1-10 und die Verbindung zu Römer 1 nachdenken, geht es um weit mehr als um pädagogische Tipps für einen ordentlichen Haushalt. Es geht um die radikale Erkenntnis, dass wir – Eltern wie Kinder – ohne das Eingreifen Gottes absolut hoffnungslos verloren sind. Als Kinderpastor und als Vater ist es mein Anliegen, dass wir die Tiefe dieses Schlamms verstehen, um die überwältigende Schönheit der Gnade Gottes neu zu bestaunen.

Der dunkle Spiegel von Römer 1: Die Anatomie der Rebellion

Bevor wir die befreiende Botschaft von Epheser 2 feiern können, müssen wir den Mut haben, in den dunklen Spiegel zu schauen, den Paulus uns in Römer 1 vorhält. Oft versuchen wir, Kindern ein sehr „helles“ Bild von Gott zu vermitteln – Gott als der liebevolle Opa, der über alles hinwegsieht. Doch Römer 1 spricht eine andere Sprache. Es spricht vom „Zorn Gottes“, der sich vom Himmel her offenbart über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen.

Der Tauschhandel des Herzens

Das Kernproblem der Menschheit ist laut Paulus nicht mangelnde Bildung oder ein schlechtes Umfeld, sondern eine bewusste Entscheidung des Herzens. Die Menschen haben Gott erkannt – seine ewige Kraft und Gottheit sind in der Schöpfung unübersehbar –, aber sie haben ihn nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt. Stattdessen haben sie die Wahrheit Gottes mit der Lüge vertauscht und dem Geschöpf Verehrung dargebracht anstatt dem Schöpfer.

In der Erziehung begegnet uns dieser „Tauschhandel“ täglich. Wenn ein Kind darauf besteht, dass sein Wille das oberste Gesetz ist, wenn es die gute Gabe (das Spielzeug) mehr liebt als den Geber, dann sehen wir eine Miniaturversion der Rebellion aus Römer 1. Wir müssen verstehen, dass Sünde im Kern immer Idolatrie ist – das Ersetzen Gottes durch etwas anderes, meist durch das eigene Ich.

Göttlicher Standard (Römer 1)Menschliche ReaktionResultat
Gott die Ehre gebenVerehrung des GeschöpfesVerfinsterung des Herzens
Gott dankenUndankbarkeitNichtigkeit des Denkens
Die Wahrheit festhaltenDie Wahrheit in Ungerechtigkeit besitzenDahingabe in Unreinheit

Diese Tabelle verdeutlicht den Prozess der Entfremdung. Es ist ein Abwärtstrend, der nicht bei einem kleinen Fehler stehen bleibt. Paulus beschreibt, wie Gott die Menschen „dahingibt“ in die Begierden ihrer Herzen. Dieses „Dahingeben“ ist ein gerichtliches Handeln Gottes. Er sagt gewissermaßen: „Wenn du ohne mich leben willst, dann lass ich dich die Konsequenzen spüren.“ Das ist die tiefste Ebene des Schlamms. Wir verlieren die Fähigkeit, das Gute überhaupt noch zu erkennen. Unser Verstand wird „unverständig“ und unser Herz wird „verfinstert“.

Die Relevanz für unsere Kinder

Warum müssen wir das unseren Kindern (und uns selbst) so deutlich sagen? Weil wir sonst die Gnade nicht brauchen. Wenn wir unseren Kindern nur beibringen, dass sie „ein bisschen netter“ sein müssen, dann erziehen wir kleine Pharisäer, die denken, sie könnten sich aus dem Schlamm selbst herausziehen. Römer 1 zeigt uns: Wir stecken so tief drin, dass wir Gott hassen und seine Rechtsforderungen zwar kennen, aber dennoch das Gegenteil tun und sogar Freude an denen haben, die es auch tun. Dies ist die Realität, in der wir leben. Es ist die Realität, die wir im Streit im Sandkasten ebenso sehen wie in den Kriegen der Erwachsenen. Ohne diese Diagnose bleibt das Evangelium nur eine nette Zusatzoption, aber keine lebensrettende Operation.

Epheser 2,1-3: Die radikale Diagnose der Totenstarre

Paulus knüpft im Epheserbrief an diese Analyse an, geht aber noch einen Schritt weiter in der Radikalität seiner Sprache. Er sagt nicht nur, dass wir schmutzig sind; er sagt, wir waren „tot infolge eurer Verfehlungen und Sünden“ (Epheser 2,1).

Was bedeutet „geistlich tot“?

Für Kinder ist das Bild des Todes sehr eindrücklich. Ein Toter kann nicht atmen, er kann nicht essen, und vor allem: Er kann sich nicht bewegen. Er kann nicht rufen: „Hilf mir!“, und er kann nicht anfangen, sein Leben zu bessern. Wenn Paulus sagt, dass wir „tot“ waren, dann meint er unsere absolute Unfähigkeit, auch nur einen Millimeter auf Gott zuzugehen.

Wir lebten „gemäß dem Äon dieser Welt“ und unter der Herrschaft des „Beherrschers der Macht in der Luft“. Das bedeutet, wir waren Sklaven. Wir folgten den Begierden unseres Fleisches und taten den Willen der Vernunft, die von der Sünde korrumpiert war. Paulus betont, dass wir „von Natur Kinder des Zorns“ waren. Das ist eine harte Wahrheit für jedes Elternherz. Wir möchten glauben, dass unsere Kinder als „unbeschriebene Blätter“ oder als „kleine Engel“ auf die Welt kommen. Doch die Bibel sagt uns: Sie bringen den Schlamm bereits mit. Die Neigung zur Rebellion, der Wunsch, Gott vom Thron zu stoßen, ist bereits im kleinsten Herzen angelegt.

Die drei Mächte des Schlamms

  1. Die Welt: Der Druck, sich anzupassen, die Jagd nach Leistung und Anerkennung.
  2. Der Teufel: Eine reale geistliche Macht, die den Ungehorsam schürt.
  3. Das Fleisch: Unsere eigene, in sich gekehrte Natur, die Gott nicht will.

Diese Mächte bilden eine Allianz, die uns im Grab der Sünde festhält. In der Erziehung bedeutet das: Wir kämpfen nicht nur gegen schlechte Angewohnheiten. Wir kämpfen gegen eine geistliche Totenstarre. Ein Kind, das lügt oder stiehlt, tut das nicht nur, weil es eine Regel vergessen hat, sondern weil es ein Sklave seiner Natur ist. Es braucht keine neue Regel, es braucht eine Auferstehung.

Der Wendepunkt: „Gott aber…“ (Epheser 2,4-7)

Wenn wir bei Vers 3 stehen bleiben würden, wäre dieser Bericht der deprimierendste Text, den man lesen kann. Doch dann folgen die beiden gewaltigsten Worte der Weltgeschichte: „Gott aber“ (Epheser 2,4). In diesen zwei Worten explodiert die Hoffnung.

Die Quelle der Rettung: Gottes Herz

Warum rettet Gott uns? Nicht, weil er einsam war. Nicht, weil er dachte, wir könnten ihm nützlich sein. Paulus nennt drei Gründe, die alle in Gott selbst liegen:

  • Sein Erbarmen: Er ist „reich an Erbarmen“.
  • Seine Liebe: „Um seiner großen Liebe willen, mit der er uns geliebt hat“.
  • Seine Gnade: „Aus Gnade seid ihr gerettet“.

Gott blickt auf den Schlamm, er blickt auf die Toten, und er entscheidet sich zu handeln. Er wartet nicht, bis wir uns gereinigt haben. Er kommt mitten in den Dreck. Er liebt uns nicht, weil wir gut sind, sondern er liebt uns, damit wir gut werden können. Für ein Kind, das gerade einen Fehler gemacht hat und voller Scham in der Ecke sitzt, ist das die befreiendste Botschaft überhaupt: „Gott liebt dich nicht weniger, wenn du schmutzig bist. Er ist gekommen, um dich aus dem Schmutz herauszuholen“.

Mit Christus lebendig gemacht

Die Rettung geschieht durch eine übernatürliche Vereinigung. Gott hat uns „zusammen mit Christus wieder lebendig gemacht“. Das ist keine bloße Theorie. So wie Gott Jesus körperlich aus dem Grab rief, so ruft er uns geistlich aus unserem Grab der Rebellion. Er hat uns „mit auferweckt“ und uns einen Platz im Himmel gegeben.

In der Erziehung bedeutet das: Wir vermitteln unseren Kindern eine völlig neue Identität. Wir sind nicht länger „Kinder des Zorns“, sondern „Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes“. Wir lehren sie, ihr Leben nicht von ihrem Versagen her zu definieren, sondern von dem Sieg Christi her.

Wie? Allein durch Glauben (Epheser 2,8-9)

Paulus fasst das Evangelium in den Versen 8 und 9 in einer Weise zusammen, die jede menschliche Logik auf den Kopf stellt. „Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme“.

Gnade vs. Leistung

In unserer Welt gilt das Prinzip der Leistung. Wer hart arbeitet, bekommt gute Noten. Wer trainiert, gewinnt den Pokal. Das ist in vielen Bereichen sinnvoll, aber im Reich Gottes ist es tödlich. Wenn wir dieses Leistungsdenken auf unsere Beziehung zu Gott übertragen, zerstören wir das Evangelium.

Falsche Formel: Glaube + Gute Werke = Rettung

Biblische Formel: Gnade -> Glaube = Rettung -> Gute Werke

Gott schenkt uns die Rettung als eine „Gabe“. Eine Gabe (Geschenk) kann man sich nicht verdienen. Man kann sie nur mit leeren Händen annehmen. Paulus betont das „damit sich nicht jemand rühme“. Gott hasst Stolz, weil Stolz die Wahrheit von Römer 1 leugnet – nämlich, dass wir absolut hilflos waren.

Der Glaube als Geschenk

Sogar der Glaube selbst, die Hand, die das Geschenk annimmt, ist eine Gabe Gottes. Wir können uns nicht einmal darauf etwas einbilden, dass wir „so klug waren, zu glauben“. Alles, wirklich alles, ist ein Werk der Gnade. In der Kinderstunde illustrieren wir das oft so: Wenn du im tiefen Schlamm versinkst und dir jemand ein Seil zuwirft, dann ist es nicht deine „Leistung“, dass du dich am Seil festhältst. Es ist die Gnade dessen, der das Seil geworfen hat und dich nun mit aller Kraft herauszieht.

Das Ziel: Gottes Meisterwerk (Epheser 2,10)

Manche Kritiker sagen: „Wenn alles Gnade ist, dann ist es ja egal, wie ich lebe!“ Paulus antwortet darauf mit Vers 10: „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen“.

Wir sind sein „Poiema“

Paulus schreibt: „Denn wir sind Gottes Werk/Schöpfung“. Das griechische Wort für „Werk“ ist poiēma. Es ist das Wort, von dem wir unser deutsches Wort „Poem“ (Gedicht) ableiten. Wir sind Gottes Gedicht! Wir sind sein Kunstwerk. Gott rettet uns nicht nur aus etwas (dem Schlamm), sondern er rettet uns zu etwas (der Herrlichkeit).

Gute Werke sind nicht die Bedingung für die Rettung, sondern die Folge und der Zweck der Rettung. Gott hat bereits Wege vorbereitet, auf denen wir gehen sollen. Er hat Talente und Möglichkeiten in unsere Kinder hineingelegt, damit sie seine Liebe in dieser Welt sichtbar machen. Wenn ein Kind versteht: „Ich bin Gottes Kunstwerk!“, dann verändert das seine ganze Motivation. Er gehorcht nicht mehr, um Gott gnädig zu stimmen, sondern er gehorcht, weil er Gott liebt und das wunderschöne Leben leben will, das Gott für ihn entworfen hat. Paulus schreibt in Galater 2,20: „und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir.“ Es ist nicht mehr unsere Anstrengung zu leben, sondern Christus lebt durch uns (siehe Artikel: In dem wir die Herrlichkeit des Herrn anschauen).

Die Anwendung: Eltern als Botschafter der Gnade

Wie übersetzen wir diese gewaltige Theologie nun in das Kinderzimmer? Hier hilft uns die Arbeit von Paul David Tripp, der Erziehung konsequent vom Evangelium her denkt. Sein zentraler Gedanke: Eltern sind nicht die Besitzer ihrer Kinder, sondern Gottes Botschafter.

Botschafter vs. Könige

Ein Botschafter hat keine eigene Autorität. Er vertritt lediglich den König. Ein „König-Elternteil“ reagiert auf Ungehorsam mit persönlicher Beleidigung: „Wie konntest du mir das antun? Ich habe so viel für dich getan!“ Ein „Botschafter-Elternteil“ sieht im Ungehorsam des Kindes die Realität von Römer 1 und Epheser 2 und reagiert mit Gnade: „Ich sehe, dass dein Herz gerade gegen Gott rebelliert. Das kenne ich aus meinem eigenen Leben. Lass uns gemeinsam zum Thron der Gnade gehen“.

Tripp nennt 4 Prinzipien, die uns helfen, Gnade zu leben. Einige der wichtigsten für unser Thema sind:

PrinzipBeschreibungPraktische Anwendung
GnadeGott gibt uns nicht, was wir verdienen, sondern was wir brauchen.Reagiere auf Fehler des Kindes nicht mit Vergeltung, sondern mit einer Rettungsabsicht.
UnfähigkeitDu kannst das Herz deines Kindes nicht verändern.Verlasse dich im Gebet auf den Heiligen Geist, statt nur auf Regeln zu setzen.
BotschafterDu vertrittst Gott vor deinen Kindern.Dein Gesicht, deine Stimme und deine Hand sollen dem Kind zeigen, wie Gott ist.
BarmherzigkeitGott ist geduldig mit uns.Sei geduldig mit dem Wachstumsprozess deines Kindes. Heiligung braucht Zeit.

Fehler als „Gospel-Momente“

Wenn Ihr Kind im „Schlamm“ der Sünde steht – sei es eine Lüge, ein Wutausbruch oder Egoismus –, dann ist das kein Hindernis für Ihren Tag, sondern eine göttliche Gelegenheit. Gott lässt Sie diese Sünde sehen, damit Sie das Evangelium verkünden können. Sagen Sie Ihrem Kind: „Siehst du, deshalb ist Jesus gestorben. Weil wir diesen Schlamm allein nicht loswerden. Aber er hat dich lieb und er macht dich neu“.

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn: Gnade in Aktion

Um Kindern die Verbindung zwischen Römer 1 und Epheser 2 zu erklären, gibt es kein besseres Beispiel als die Geschichte der zwei Söhne aus Lukas 15.

Der jüngere Sohn: Der Schlamm der Rebellion

Er verkörpert Römer 1. Er will das Geld des Vaters, aber nicht den Vater selbst. Er zieht in die Ferne und landet buchstäblich im Schlamm bei den Schweinen. Seine Umkehr beginnt nicht mit „ich werde jetzt ein besserer Mensch“, sondern mit „ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir“. Das ist die Erkenntnis der geistlichen Totenstarre.

Der Vater: Das „Gott aber“

Der Vater im Gleichnis handelt genau wie Gott in Epheser 2. Er läuft dem Sohn entgegen, während dieser noch weit weg ist. Er küsst ihn (Vergebung), gibt ihm das beste Gewand (Identität) und feiert ein Fest (Freude). Es gibt keine Bedingungen, keine Probezeit. Das ist reine, unverdiente Gnade.

Der ältere Sohn: Die Gefahr der Selbstgerechtigkeit

Er steht für die Gefahr, die Paulus in Epheser 2,9 anspricht: das Rühmen der eigenen Werke. Er denkt, er hätte das Fest verdient, weil er „nie ein Gebot übertreten hat“. Aber sein Herz ist genauso hart und fern vom Vater wie das seines Bruders im Ausland. Er versteht die Gnade nicht, weil er denkt, er stecke nicht im Schlamm. In der Kindererziehung müssen wir besonders auf die „braven“ Kinder achten, die innerlich stolz werden. Auch sie brauchen das Evangelium der Gnade, das ihnen zeigt, dass auch ihr Gehorsam ohne Liebe nur „unflätige Kleider“ sind.

Praktische Methoden: Das Evangelium begreifbar machen

Das Experiment mit der Tinte und dem Chlor

Dieses Experiment veranschaulicht die Reinigung durch Jesus auf eindrucksvolle Weise.

Material: Ein Glas Wasser, Tinte (dunkelblau oder schwarz), Haushaltschlor (Vorsicht: nur durch Erwachsene handhaben), etwas Öl.

Durchführung:

  1. Das Wasser: Symbolisiert den Menschen, wie Gott ihn schuf – rein und für die Gemeinschaft mit ihm bestimmt.
  2. Das Öl: Schütte etwas Öl auf das Wasser. Es bleibt oben, rein und klar. Das symbolisiert Gott, der heilig ist und sich nicht mit dem Schmutz vermischt.
  3. Die Tinte (Sünde): Gib einige Tropfen Tinte ins Wasser. Beobachte, wie sich das ganze Wasser dunkel verfärbt. Das ist Römer 1 und Epheser 2,1: Die Sünde durchdringt alles. Wir sind „tot“ in dieser Dunkelheit. Das Öl (Gott) bleibt jedoch rein und getrennt. Der Mensch kann von sich aus nicht mehr nach oben zum Öl gelangen.
  4. Das Chlor (Jesus/Gnade): Gib einen Schuss Chlor in das dunkle Wasser. Innerhalb kurzer Zeit wird das Wasser wieder glasklar.
  5. Deutung: Jesus kam in unsere Dunkelheit. Er hat die Strafe für den Schlamm getragen. Durch seinen Tod am Kreuz macht er uns rein – nicht nur oberflächlich, sondern durch und durch. Jetzt ist die Gemeinschaft (zwischen Wasser und Öl) wiederhergestellt.

Umgang mit Leistungsdruck: Die psychologische Komponente

In einer Zeit, in der Kinder zunehmend unter Stress und Versagensängsten leiden, ist die Botschaft von Epheser 2 eine medizinische Notwendigkeit für die Seele. Viele Kinder denken: „Ich bin nur wertvoll, wenn ich etwas leiste.“

Die Antwort der Gnade auf den Schulstress

Wenn ein Kind mit einer schlechten Note nach Hause kommt, ist das ein entscheidender Moment.

  • Die Welt sagt: „Du musst mehr arbeiten, sonst wirst du nichts.“
  • Die Gnade sagt: „Dein Wert hängt nicht von dieser Note ab. Du bist Gottes Meisterstück, egal ob du eine 1 oder eine 5 hast. Wir schauen jetzt gemeinsam, wie wir das Problem lösen, aber meine Liebe zu dir und Gottes Liebe zu dir ändert sich nicht um einen Millimeter“.

Gnade befreit Kinder dazu, aus Freude zu lernen, statt aus Angst vor Liebesentzug. Sie dürfen wissen, dass Jesus bereits die „perfekte Note“ für sie erzielt hat. Wir leben aus seinem Erfolg, nicht aus unserem eigenen.

Schluss und praktischer Impuls für die Woche

Die Gnade Gottes ist kein billiges Pflaster für kleine Wunden. Sie ist die radikale Neuschöpfung eines Menschen, der im Schlamm der Rebellion gestorben war. Wenn wir Epheser 2,1-10 in Verbindung mit Römer 1 betrachten, dann sehen wir die gewaltige Distanz, die Gott in Christus überbrückt hat. Er kam vom Thron der Herrlichkeit in den Schweinestall unserer Sünde, um uns mit nach Hause zu nehmen.

Ihr praktischer Impuls für den Alltag:

Versuchen Sie in dieser Woche, das Wort „Gnade“ in Ihrem Haus oder in Ihrer Gruppe hörbar und fühlbar zu machen. Wenn Sie selbst einen Fehler machen – vielleicht sind Sie gegenüber Ihren Kindern laut geworden oder waren ungeduldig –, dann nutzen Sie das als „Gospel-Moment“.

Gehen Sie zu Ihren Kindern und sagen Sie: „Ich habe gerade gesündigt. Ich war ungeduldig und das war nicht richtig. Ich brauche die Gnade von Jesus genauso wie ihr. Bitte vergebt mir.“ Damit lehren Sie Ihre Kinder mehr über Epheser 2 als durch jede theoretische Lektion. Sie zeigen ihnen, dass wir alle im selben Schlamm standen und alle an derselben Quelle der Gnade gereinigt werden.

Lassen Sie uns als Eltern und Lehrer aufhören, kleine Moralisten zu züchten, und anfangen, kleine Anbeter zu erziehen, die über die unverdiente Güte Gottes staunen. Denn am Ende des Tages zählt nicht, wie sauber unser Teppich ist, sondern wie sehr unsere Herzen vom Glanz Christi durchstrahlt werden. Wir sind sein Werk. Wir sind seine Botschafter. Wir leben aus Gnade.

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